VLCD in der klinischen Praxis: Erfahrungen aus einem ärztlich begleiteten Behandlungsprogramm

VLCD in der klinischen Praxis: Erfahrungen aus einem ärztlich begleiteten Behandlungsprogramm

Eine australische Real-World-Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte den Einsatz einer Very Low Calorie Diet (VLCD) in einer öffentlich finanzierten bariatrischen Klinik bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Adipositas, die häufig an mehreren Begleiterkrankungen litten.

Insgesamt begannen 118 Patientinnen und Patienten die Behandlung. 90 von ihnen schlossen das vollständige zwölfwöchige Programm ab.

Ein strukturiertes klinisches Behandlungsprogramm

Während der Behandlung wurde die übliche Ernährung durch ernährungsphysiologisch vollständige Produkte ersetzt. Deren Anzahl legte eine Ernährungsfachkraft individuell fest, unter anderem auf Grundlage des Proteinbedarfs und der klinischen Situation der jeweiligen Person. Die Betreuung erfolgte gemeinsam durch Ärztinnen und Ärzte sowie Ernährungsfachkräfte. Dabei wurden unter anderem Medikation, Blutdruck und biochemische Parameter fortlaufend überwacht.

Die Studie zeigt damit, wie sich eine VLCD als strukturierte Ernährungsintervention unter engmaschiger medizinischer Aufsicht einsetzen lässt.

Monitoring und individuelle Anpassung

Im Verlauf der Behandlung erfassten die Forschenden unter anderem Körpergewicht, Blutdruck, glykämische Marker und das Lipidprofil. Darüber hinaus untersuchte die Studie Faktoren, die mit dem Abschluss und dem Verlauf der Behandlung in Zusammenhang stehen könnten.

Die Ergebnisse deuten unter anderem auf die Bedeutung individueller Faktoren hin, etwa Schlaf, psychisches Wohlbefinden, medikamentöse Behandlung und frühes Ansprechen auf die Behandlung. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, intensive Ernährungsinterventionen in einem umfassenderen klinischen Kontext zu betrachten, statt sich allein auf die Energiezufuhr zu konzentrieren.

Nach der Intensivphase

Gewichtserhaltung und der Übergang zu einer normalen Ernährung sind zentrale Elemente nach einer intensiven VLCD-Phase. In der Studie wurde ein Teil der Teilnehmenden auch nach Abschluss der zwölf Wochen weiter begleitet. Da die Zahl der nachbeobachteten Personen jedoch begrenzt war, sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren.

Da es sich um eine retrospektive Studie ohne Kontrollgruppe handelte, kann sie zwar klinische Beobachtungen und Zusammenhänge beschreiben, jedoch keine Kausalzusammenhänge belegen.

Klinische Einordnung

Die Studie bietet einen praxisnahen Einblick in den Einsatz der VLCD bei einer komplexen Patientengruppe. Sie hebt die Bedeutung individueller Beurteilung, kontinuierlichen Monitorings und interdisziplinärer Nachsorge hervor.

Bei längerfristiger Anwendung ist eine Beratung durch medizinisches Fachpersonal unerlässlich. Für Tagesrationen für gewichtskontrollierende Ernährung sehen die EU-Vorschriften den Hinweis vor, dass das Produkt nicht länger als acht Wochen oder wiederholt über kürzere Zeiträume ohne Rat von medizinischem Fachpersonal verwendet werden sollte.

 

Quelle:
Mathews R, Richardson A, Brewer E, Brightman L, Huang HCC. Outcomes and Predictors of Success for Very Low Calorie Diets in an Australian Publicly Funded Bariatric Medicine Service. Obesity Science & Practice. 2026;12(4):e70186.

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