Eine dänische Diät hilft heute, den Druck auf die britischen Gesundheitsbehörden zu verringern.
Von Robert Hendel

Hinter Geschäftsführer Peter Wedelheim steht eine Diät, die die Türen zum britischen Gesundheitssystem geöffnet hat. Foto: Robert Hendel
In einem Büro in Brøndbyvester arbeitet Nupo noch immer mit der Diät, die 1981 im Hvidovre Krankenhaus entwickelt wurde. Damals war das Pulver für stark übergewichtige Patient:innen vor einer Adipositas-Operation gedacht. Vier Jahrzehnte später ist das Pulver aus dem Westen Kopenhagens jedoch Teil eines deutlich größeren gesundheitspolitischen Puzzles – weit über die Grenzen Dänemarks hinaus.
Die Kurzversion
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Dänisches Pulver aus dem Großraum Kopenhagen spielt eine zentrale Rolle im Kampf Großbritanniens gegen Typ-2-Diabetes.
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Nupo, ursprünglich am Hvidovre Krankenhaus entwickelt, ist heute Teil des NHS-Programms „Path to Remission“.
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Das Programm zielt darauf ab, Typ-2-Diabetes durch eine kalorienarme Diät in Remission zu bringen.
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Nupo erhielt Zugang zum NHS durch strategische Allianzen und Investitionen in digitale Gesundheitsplattformen.
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Das Unternehmen arbeitet mit Forschenden zusammen, um die Wirkung der Diät weiter wissenschaftlich zu dokumentieren.
Was als Nischenkur für Patient:innen in einem Krankenhaus in Hvidovre begann, ist heute Teil des Kampfes gegen eine Krankheit, die Millionen Brit:innen betrifft. Typ-2-Diabetes gehört zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen im Vereinigten Königreich, wo das Gesundheitssystem jährlich Milliarden Pfund für Behandlung und Folgeerkrankungen ausgibt.
Allein in England leben rund 3,6 Millionen Erwachsene mit Diabetes, im gesamten Vereinigten Königreich sind es 4,6 Millionen diagnostizierte Fälle. Neun von zehn Fällen betreffen Typ-2-Diabetes, zusätzlich geht man davon aus, dass 1,3 Millionen Menschen erkrankt sind, ohne es zu wissen.
„Ich glaube, dass das die Art und Weise verändern kann, wie man Patient:innen mit Typ-2-Diabetes behandelt – ohne dass die Medikamente allein stehen.“ Peter Wedelheim, Geschäftsführer von Nupo
Die Herausforderung ist so groß geworden, dass nur ein koordinierter nationaler Einsatz sie bremsen kann. Bei diesen Zahlen handelt es sich um eine nationale Aufgabe – und es gibt nur eine Institution, die hier wirklich etwas bewegen kann.
Der britische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) ist einer der größten Arbeitgeber der Welt – zugleich jedoch berüchtigt für seine komplexe Bürokratie. Für die meisten Unternehmen bleibt die Tür daher verschlossen. Nupo ist jedoch der Durchbruch gelungen.
Die richtigen Allianzen
Der Zugang kam nicht von selbst, sondern wurde durch gezielte Investitionen und strategische Partnerschaften möglich. Nupo verknüpfte sein Produkt mit einer digitalen Gesundheitsplattform, die bereits Zugang zu den britischen Gesundheitsbehörden hatte.
So wurde der Weg geebnet, dass Nupos Produkte heute Teil des NHS-Programms „Path to Remission“ sind. Patient:innen mit Typ-2-Diabetes beginnen dort mit einer strengen kalorienarmen Diät über drei Monate, bevor sie unter Aufsicht schrittweise zu normaler Ernährung zurückkehren.
Ziel ist die Remission – ein Zustand, in dem die Erkrankung in Ruhe ist, der Blutzucker sich auf das Niveau gesunder Menschen stabilisiert und Patient:innen ohne Insulin und tägliche Medikamente leben können.
„Ich glaube, dass das die Art der Behandlung von Typ-2-Diabetes verändern kann – ohne dass Medikamente allein stehen. Darauf sind wir unglaublich stolz“, sagt Nupo-Geschäftsführer Peter Wedelheim gegenüber Sjællandske Nyheder.

Dass ein dänisches Unternehmen heute eine Rolle im britischen Gesundheitssystem spielt, ist das Ergebnis einer Kombination aus wissenschaftlicher Dokumentation, Investitionen und den richtigen Allianzen.
Ein entscheidender Schritt erfolgte im Februar 2025, als Nupo gemeinsam mit seinem Eigentümer IBL Group in die dänische Gesundheitsplattform Liva Healthcare investierte. Liva bietet digitale Programme mit persönlichem Coaching für Menschen mit chronischen Lebensstilerkrankungen an.
Der NHS öffnet neue Türen
Bislang hat Liva über 80.000 Menschen über seine Plattform begleitet. Mit der Investition von Nupo konnte das Unternehmen weiter expandieren. Unter anderem ermöglichte die Investition die Übernahme des britischen Anbieters Discover Momenta, der bereits Programme für den NHS durchführte.
Dadurch erhielt Nupo Zugang zu 13 der 42 Regionen Englands – und einen Platz in einem System, das sonst als besonders schwer zugänglich gilt.
„Wenn wir sagen können, dass wir Teil des NHS sind, schafft das Vertrauen. Nicht nur in England, sondern auch in anderen Ländern, in die wir expandieren“, sagt Peter Wedelheim.
Gemeinsam mit Liva Healthcare wird Nupo im Rahmen des NHS-Programms rund 5.000 Patient:innen pro Jahr betreuen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen mit Forschenden der Universität Kopenhagen, des Steno Diabetes Center und der Universität Oxford zusammen, um die Wirksamkeit der Diät weiter zu dokumentieren.

Von den hellen Büroräumen in Brøndbyvester aus steuert Peter Wedelheim Nupo in neue Märkte.
Foto: Robert Hendel
Für ein Unternehmen, das als Nischenkur im Hvidovre Krankenhaus begann, ist der Schritt ins britische Gesundheitssystem historisch. Laut dem Geschäftsführer geht es im Kern darum, zu den Wurzeln zurückzukehren.
„Wir wollen nicht mit der Medizin konkurrieren. Wir wollen sie ergänzen – und weiterhin eine Lösung sein, die das Gesundheitssystem aktiv in der Behandlung von Patient:innen einsetzen kann“, sagt Peter Wedelheim.
Im Hauptsitz in Brøndbyvester arbeitet er gemeinsam mit seinem Team weiterhin mit dem gleichen Grundrezept, das Flemming Quaade 1981 im Hvidovre Krankenhaus entwickelte. Vier Jahrzehnte später ist das Pulver jedoch längst keine Nischenlösung mehr, sondern ein wichtiges Instrument im Kampf gegen eine der größten Volkskrankheiten Großbritanniens.